Die Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge – der Weisheit letzter Schluss?
Marktzahlen
In Österreich wird die Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge (PZV) von Versicherungsunternehmungen und von Kapitalanlagegesellschaften (KAG) angeboten. Im direkten Vergleich sind die Versicherungen den KAGs um Längen voraus, zumal sie von insgesamt 1,3 Mio Verträgen rund 92% verwalten und die KAGs lediglich 8%. Insgesamt konnten die Versicherungen im Vorjahr die Zahl der Verträge um 14% auf über 1,2 Mio steigern, die Kapitalanlagegesellschaften legten nur um 5% auf knapp über 0,1 Mio Verträge zu.
Charakteristika, Vor- und Nachteile
Diese spezielle Variante der privaten Altersvorsorge, die 2003 eingeführt wurde, ist mit Kapitalgarantie und staatlicher Förderung ausgestattet; letztere fällt mit 9% p. a. noch dazu recht üppig aus. Grundsätzlich stellt die staatliche Förderung einer privaten Altersvorsorge eine begrüßenswerte Maßnahme dar, diese sollte jedoch nicht mit anderen Zielen junktimiert und auch auf andere Vorsorgelösungen ausgeweitet werden.
Mit der derzeitigen staatlichen Förderung wird aber ein ganz anderer Zweck verfolgt: die Stützung des österreichischen Aktienmarktes. Dies zeigt sich durch die verpflichtende Aktienquote von 30% (bis 2009: 40%) und die ursprüngliche Einschränkung auf nur inländische Aktien. Da jedoch Aktien anderer EU-Mitgliedsstaaten nicht benachteiligt werden dürfen, wurde eine Regelung erfunden, derzurfolge Aktien nur von Börsen erworben werden dürfen, welche eine Kapitalisierung von höchstens 30 % des BIP aufweisen. De facto erfüllt dieses Kriterium vor allem Österreich und zwischenzeitlich auch sieben EU-Mitgliedsstaaten. Wird die EU erweitert, könnten durchaus noch weitere Länder hinzukommen, allesamt Länder mit unterdurchschnittlicher Marktkapitalisierung, welche dann indirekt von einer staatlichen Förderung in Österreich profitieren könnten.
Die Stützung der heimischen Börse per se ist begrüßenswert, aber nicht auf verpflichtender Basis. Bitter für die Kunden ist vor allem, dass der ATX im Vergleich zu anderen Indizes zuletzt größere Verluste hinnehmen musste. Wie aus einer Studie der FMA hervorgeht, hat die Finanzkrise die Performance der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge stark negativ beeinflusst. Im Durchschnitt betrugen die Einbußen im Jahr 2008 nicht weniger als 15,3%, nachdem im Jahr davor noch ein Plus von 1,3% verzeichnet werden konnte. Die Versicherungsunternehmen schnitten mit minus 14,3% im Vergleich zu den Kapitalanlagegesellschaften mit minus 20,5% zwar besser ab, aber laut Branchenkennern ist ein Großteil jener Polizzen, die in der ersten Stunde abgeschlossen wurden, unterdeckt. Auf Grund dieser Entwicklung wird den Kunden wahrscheinlich am Ende der Laufzeit gerade einmal das einbezahlte Kapital rückbezahlt und somit die Kapitalgarantie erfüllt werden können, mit einer Verzinsung des hingegebenen Kapitals ist somit für Versicherungsnehmer in diesen Fällen nicht zu rechnen.
Auch die Einführung eines „Lebenszyklusmodells", mit dem der Aktienanteil mit steigendem Alter (ab dem 45. Lebensjahr auf 25 %, ab 55 Jahren auf 15 %) gesenkt wird, ist kontraproduktiv, weil damit unterstellt wird, dass sich die Erträge an den Börsen nach dem Lebensalter des Berechtigten richten. Denn was soll ein z.B. 56-jähriger Versicherungsnehmer von der PZV erwarten dürfen, dessen Deckungskapital in den letzten Jahren zu 40% in Aktien inves-tiert war (er also ordentliche Verluste erlitten hat) und nunmehr in der Erholungsphase der Aktienmärkte nur mehr zu 15% investieren ist Die Antwort auf diese Frage dürfen Sie sich selber geben.
Als einziges Argument für eine Senkung der Aktienquote verbleibt somit die Reduzierung des Risikos von Kursschwankungen. Wurden aber in den Jahren davor negative Erträge erwirtschaftet, wird man der Chance beraubt, die Verluste wieder aufzuholen. Damit bewahrheitet sich wiederum, dass eine zu starre und nicht an die Entwicklung der Märkte angepasste Allokation langfristig suboptimal und einer aktiven Bewirtschaftung des Deckungskapitals deutlich unterlegen ist.
Fazit
Die Grundidee der PZV, nämlich eine langfristige Altersvorsorge, ist begrüßenswert, die starren rechtlichen Vorgaben hingegen nicht. Die jüngste Entwicklung der Finanzmarktkrise zeigt hingegen, dass Vorsorgelösungen mit flexiblen Veranlagungsmöglichkeiten – wie z.B der Pensionsfondsplan der APK Versicherung - langfristig zu einem deutlichen Mehrertrag führen.
